Angst - Freund oder Feind bei Veränderungen? - Kathrin Meyer

Angst – Freund oder Feind bei Veränderungen?

Warum fallen uns Veränderungen so schwer? Der Hauptgrund hierfür ist schlichtweg Angst. Die Angst vor dem Unbekannten. Veränderung heißt, (vermeintliche) Sicherheit gegen die Unsicherheit des Unbekannten einzutauschen. Angst ist dabei evolutionstechnisch bedingt und völlig normal. Wir stammen nicht von den Menschen ab, die im Steinzeitalter die Höhle alleine verlassen haben, um die Umgebung zu erforschen.

Die Wahrscheinlichkeit vom Säbelzahntiger geschnappt zu werden, war ziemlich groß.

Nichts anderes behindert uns so stark wie Angst, sie lässt uns zögern und lähmt uns sogar. Das ist aus evolutionstechnischer Sicht sogar sinnvoll, denn unser Gehirn ist darauf programmiert, uns am Leben zu erhalten. Und das geht am einfachsten, wenn alles stabil und sicher ist. Was uns früher zum Überleben als Menschheit geholfen hat, steht uns heute bei anstehenden Veränderungen jedoch im Weg.

Angst kann aber auch eine unwahrscheinliche Kraft hervorrufen. Das ist der erste Teil des Reaktionsmusters unseres Gehirns – Angriff, Flucht und Totstellen. Wir können Angst zu einem kraftvollen Verbündeten machen, wenn wir uns ihr stellen.

Das Thema Angst ist aber immer noch weitgehend ein Tabu in unserer Gesellschaft, vor allem im Business-Umfeld. Vor nichts haben wir so viel Angst, wie offen und ehrlich einzugestehen, dass wir Angst haben. Wir geben unser Gehirn nicht vor den Unternehmenstoren ab. Es ist immer dabei und es laufen die gleichen Mechanismen ab, auch wenn häufig der Spruch zu hören ist: „Wir wollen doch mal ganz sachlich und professionell bleiben“.

Es ist vollkommen normal, Angst vor Veränderungen zu haben

Angst begleitet uns alle, den einen mehr, den anderen etwas weniger.

  • Aus Angst vor Ablehnung sagen wir nicht unserer Meinung
  • Aus Angst nicht dazuzugehören, spielen Rollen und passen uns an
  • Aus Angst allein zu sein, trennen wir uns nicht, obwohl wir unglücklich sind
  • Aus Angst Fehler zu machen, probieren wir nichts Neues
  • Aus Angst falsch zu liegen, treffen wir keine Entscheidungen
  • Aus Angst, Sicherheiten aufzugeben, bleiben wir im Job, obwohl wir längst innerlich gekündigt haben
  • Aus Angst…..bestimmt fallen Ihnen persönliche Beispiele ein

Wenn Sie jemandem begegnen, der angeblich keine Angst hat, glauben Sie ihm nicht. Selbst gestandene Manager haben Angst, sowohl bei persönlichen Veränderungen als auch bei Veränderungsprojekten in den Unternehmen. Es ist einfach naturgegeben. Die entscheidende Frage ist, wie wir mit der Angst umgehen.

Angst mit Mut begegnen - Veränderungen aktiv gestalten

Angst ist ein entscheidender Antreiber, wenn es um Veränderung geht. Aber wir brauchen Mut, uns dieser Angst zu stellen. Mut bedeutet nicht, dass wir keine Angst haben. Mut bedeutet, dass wir trotz unserer Angst handeln.

Die Angst kann entweder unser größter Feind oder unser bester Freund sein. Auf jeden Fall zeigt sie uns, dass wir an die Grenze unserer Komfortzone gekommen sind. Um uns weiter zu entwickeln, müssen wir aber aus unserer Komfortzone ausbrechen.

​Angst zeigt Ihnen, dass Sie jetzt genau vor Ihrer Grenze stehen. Sie stehen vor dem nächsten großen Schritt in Ihrem Leben.

3 Tipps, wie Sie trotz Angst Veränderungen erfolgreich umsetzen

1. ​Fangen Sie einfach an.

Mit jedem Schritt, den Sie in Richtung Ihres neuen Ziels gehen, wird sich Ihre Angst verringern und Ihr Selbstvertrauen nimmt zu. Steht Ihr Vorhaben wie ein Riesenberg vor Ihnen, untergliedern Sie es in überschaubare Hügel. Gehen Sie kleine Schritte. Einen Marathon läuft man auch Schritt für Schritt.

2. Malen Sie den Teufel an die Wand

Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie Ihren Schritt gehen? Verlieren Sie wirklich Ihren Job? Müssen Sie unter der Brücke schlafen? Geht es um Leben oder Tod? Schreiben Sie sich das auf und schlafen eine Nacht darüber. Sie werden am nächsten Tag merken, dass Ihre Ängste vielleicht doch etwas übertrieben sind.

​3. Wechseln Sie die Perspektive

Überlegen Sie, wie Ihr Leben in 1, 5 und 10 Jahren aussehen wird, wenn Sie Ihre Angst überwinden. Wieviel glücklicher, zufriedener oder erfolgreicher werden Sie sein? Überlegen Sie aber auch, was passiert, wenn Sie zulassen, dass Ihre Angst Sie lähmt. Wieviel werden Sie verlieren?

Können Sie Ihrer Angst etwas Positives abgewinnen. Falls (noch) nicht, gestehen Sie sich diese zumindest ein und vor allem lassen Sie sie zu. Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen, indem Sie zurückschauen, welche Veränderungen Sie früher schon gemeistert haben. Nutzen Sie die Angst, um nochmal zu prüfen, ob Sie etwas übersehen haben. Gehen Sie kleine Schritte. Aber gehen Sie los, gehen Sie durch die Angst. Es wird sich lohnen.

​Wie gehen Sie mit Ängsten um? Welche Strategien können Sie empfehlen? Schreiben Sie das gern in den Kommentar.

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