Warum Ihr Umfeld Sie bei Veränderungen selten unterstützt

Menschen in Ihrem Umfeld mögen meistens nicht, wenn Sie sich verändern.

„Du hast dich voll verändert!“ oder „Du bist nicht mehr so wie früher…“

Mit solchen Feststellungen können Sie konfrontiert werden. Es hört sich wie ein Vorwurf an, was es auch aus Sicht der anderen oft ist. Selbst wenn Sie sich in eine positive Richtung entwickeln, bedeutet das nicht, dass andere das gut finden.

Sie befinden sich in einem sozialen Umfeld, welches sich über die Jahre hinweg entwickelt hat. Die Menschen, mit denen Sie Ihre Zeit verbringen, seien es Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte, haben ähnliche Ansichten, Interessen und Hobbies. Sie teilen sich Erlebnisse aus früheren Zeiten, haben Rituale, unternehmen viel und fahren vielleicht sogar gemeinsam in den Urlaub. Über die Jahre hinweg ist so eine Gemeinschaft entstanden, die gut funktioniert, gewisse Routinen entwickelt hat und wo man genau weiß, wie der andere tickt. Man hat sich im Leben eingerichtet.

Ihnen reicht das jedoch nicht mehr.

Sie wollen auf einmal nicht mehr jeden Samstag zum Grillabend kommen, der Kaffeeklatsch mit den Freundinnen gibt Ihnen häufig nichts mehr oder Sie können das (immer gleiche) Jammern darüber, dass alles immer schlechter und schwerer wird, nicht mehr hören. Sie wollen nicht mehr jedes Jahr an den gleichen Urlaubsort fahren und nicht mehr Ihre Abende vor dem Fernseher verbringen.

Sie haben vielleicht Seminare für sich entdeckt, lesen Erfolgsbücher und suchen neue Herausforderungen oder wollen Ihrem Leben sogar nochmal eine neue Richtung geben. Sie brauchen Veränderungen.

Sie kommen von einem Seminar völlig euphorisch nach Hause, wollen durchstarten und denken, Sie können Ihr Umfeld auch begeistern. Doch die Realität sieht anders aus. Wollen Sie vielleicht Gewohnheiten ändern oder haben sich vorgenommen, Ihre Bedürfnisse offener zu äußern, kommt manchmal etwas abfällig der Spruch: „Ach, das hast du wohl auf deinem Psycho-Seminar gelernt?“ oder „Das ist ja Gehirnwäsche wie bei einer Sekte.“

Sie sind verunsichert und können diese Abwehr vielleicht gar nicht nachvollziehen. Aber das lässt sich relativ einfach erklären:

Wenn Sie sich ändern, müssen sich auch die anderen ändern.

​Und das bedeutet erstmal Gefahr und macht Angst. Die Routine und die Regeln der Gemeinschaft oder jeder einzelnen Beziehung geben Sicherheit. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis von Menschen und Ihre Veränderungen lassen das System instabil werden. Instabilität macht nervös, man kann nicht einschätzen, in welche Richtung sich das System (der Gemeinschaft und Beziehungen) entwickelt. Es ist nicht mehr vorhersehbar, wie Sie agieren und reagieren.

Das ist, als ob Sie einen Stein in einen ruhigen See geworfen haben. Manche hoffen, dass Sie nur einen Stein haben und der See sich bald wieder beruhigt. Sie jedoch haben einen ganzen Sack voll und werfen von nun ab in regelmäßigen Abständen einen.

Sie bringen mit Ihren Veränderungen alles durcheinander.

Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Sie so funktionieren, wie man es kennt.

  • Ihr Partner muss sich vielleicht mehr um die Kinder kümmern, weil Sie ein Abendstudium anfangen wollen.
  • Ihre Kinder müssen im Haushalt Aufgaben übernehmen, weil Sie wieder anfangen wollen zu arbeiten.
  • Sie übernehmen nicht mehr einfach so zusätzliche Aufgaben im Büro, weil Sie gelernt haben „Nein“ zu sagen.
  • Sie lassen nicht mehr Ihren Sportkurs ausfallen, weil eine Ihrer Freundinnen, vielleicht eingeschnappt ist, dass Sie ihr diesmal nicht bei irgendetwas helfen können, nur weil sie das ja (was auch immer es ist) so gut können.
  • Sie fahren nicht mehr jeden Sonntag 15.00 Uhr zum Kaffee zu den Eltern, nur weil man das so macht.
  • Sie können nicht mehr fest als Babysitter für Ihre Enkel eingeplant werden, weil Sie öfter Städtereisen über ein verlängertes Wochenende machen wollen.
  • und, und, und….

Das macht Sie unkontrollierbar, unvorhersehbar – und damit "bedrohen" Sie Ihr Umfeld, welches sich so gemütlich eingerichtet hat.

Eventuell kommt auch Neid ins Spiel. Insgeheim will man vielleicht auch etwas verändern, aber man hat nicht die Willenskraft und Disziplin, das umzusetzen.

In wie vielen gemeinsamen Runden haben Sie in den letzten Jahren über große Träume und Ziele gesprochen? „Ach, was wäre, wenn…..“, „Wenn ich könnte, wie ich wollte, dann….“ oder „Wenn doch erst das passieren würde, dann würde ich….“

Und Sie gehen die Veränderung jetzt an und kommen plötzlich ins Handeln.

Vorher waren Sie eine/einer von ihnen und jetzt fangen Sie an, Ihre Ziele umzusetzen. Sie entwickeln den Ehrgeiz, nehmen Anstrengungen in Kauf und scheinen auch noch zufriedener zu sein. Das kann Menschen in Ihrem Umfeld unter Druck setzen und deren eigene Komfortzone bedrohen.

Sie dürfen sich nichts vormachen. Sie  werden einige Menschen aus Ihrem Umfeld verlieren. Manche vielleicht nur vorübergehend, manche für immer. Einige werden Sie vielleicht unterstützen, andere bekämpfen. Es ist die schwierigste Phase in einem Veränderungsprozess. Sie entwickeln sich zu einem neuen Menschen und das ist nun mal nicht einfach. Für Sie nicht und auch für Ihr Umfeld nicht.

Was kann Ihnen in diesem Veränderungsprozess helfen?

  • Überlegen Sie sich, welche Menschen in Ihrem Umfeld Sie auf keinen Fall verlieren wollen. Dort lohnt es sich, um die Beziehung zu kämpfen, auch wenn das Verständnis für Ihre Veränderung sehr gering ist. Reden Sie offen über Ihre Bedürfnisse und warum Ihnen das so wichtig ist.
  • Vielleicht können (und wollen) Sie sich nicht trennen, weil es sich um Familienmitglieder handelt. Wenn Sie diese in Ihren Vorhaben massiv behindern, verbitten Sie sich Kommentare und reduzieren ggf. erstmal die Zeit, die Sie mit denen verbringen.
  • Bei Freunden und Bekannten seien Sie ehrlich zu sich und den anderen. Das ist weniger anstrengend und belastend, als krampfhaft eine Beziehung aufrecht zu erhalten.
  • Auch wenn Sie sich von einigen aus Ihrem Umfeld trennen, seien Sie dankbar für den gemeinsamen Weg, den Sie miteinander gegangen sind.
  • Machen Sie sich bewusst, dass es nur zwei Alternativen gibt. Entweder Sie bleiben so, wie Sie sind oder Sie stellen sich dieser Herausforderung.  

Wenn Sie sich auf den Weg gemacht haben, bedeutet das, dass Sie vorher nicht zufrieden  waren. Das nicht zu ändern, nur um es Ihrem aktuellen Umfeld recht zu machen, ist ein hoher Preis, den Sie bezahlen würden. Alle werden zufrieden mit Ihnen sein, außer Sie selbst.

Was sind Ihre Erfahrungen? Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr Umfeld nicht positiv reagiert? Schreiben Sie das gern in den Kommentar.

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