Warum macht uns Veränderung Angst? - kathrin-meyer.com

Warum macht uns Veränderung Angst?

Im Grundgesetz steht im Artikel 2 folgender Satz:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Freie Entfaltung, Freiheit – schöne Vorstellung. Für einige Menschen ja. Den meisten Menschen aber bereitet die Vorstellung, die ganze Welt zu Füßen zu haben, Angst. Denn diese Freiheit in vollem Maße auszunutzen, bedeutet ständige Veränderung.

Genau diese Veränderungen lösen jedoch Urängste in uns aus. Da bleiben sie doch lieber in den bekannten und vertrauten Bahnen, führen ein Leben voller Routinen und Gewohnheiten, bleiben bei dem, was ihnen ihre Eltern wohlmeinend vermittelt haben.

Denn wenn wir geboren werden, sind wir zunächst wie ein leeres Blatt Papier. Keine Erlebnisse, keine Erfahrungen, keine Vorstellung von der Welt, die uns umgibt.

Wir orientieren uns daher an den Menschen, die uns umgeben, die älter sind, erfahrener. Zunächst durch Nachahmung, dann aber auch durch Erklärungen, Erziehung, Schule und eigene Erfahrungen. Das kann dann schon die persönliche Entwicklung erheblich beeinträchtigen. So schränken uns unsere kulturelle Herkunft, unsere Überzeugungen und unser Weltbild erheblich ein.

So groß wie die Einschränkung auch sein mag, Menschen verändern sich nicht gern. Gleich, wie ihr Leben aussieht, ob es harmonisch und erfolgreich, glücklich oder gar eine Katastrophe ist, sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit an ihren Wertmaßstäben, ihren Grundüberzeugungen und ihren Verhaltensmustern festhalten, ein Leben lang.

Selbsterhaltung und Arterhaltung

Dies hat einen guten Grund: Sie waren erfolgreich! Sie haben mit diesen, von ihnen verinnerlichten Verhaltensweisen, bisher nämlich immer überlebt, und darum geht es letztendlich: um Leben und Tod.

Zumindest für das limbisches System, dem stammesgeschichtlich ältesten Teil des Gehirns. Dieser, auch Reptiliengehirn genannte Bereich, benutzt eben nur diese beiden Kriterien: zum Überleben geeignet, nicht zum Überleben geeignet. Überleben als Individuum und Überleben als Art oder auch Selbsterhaltung und Arterhaltung.

Was sich aus seiner Betrachtungsweise bewährt hat, darauf beharrt es. Es hasst Veränderungen.

Die Warnfunktion ist äußerst aktiv

Verändern Sie doch einmal etwas, dann versucht es, Sie sofort zu warnen. Solch eine Warnung kann zum Beispiel eine unbestimmte Angst sein, ein flaues Gefühl in der Magengegend oder auch weiche Knie.

Vielleicht ertappen Sie sich auch dabei, in Form innerer Dialoge immerfort Gründe zu finden, warum diese neue, unbekannte Handlung jetzt so gar keine gute Idee ist. Sie rationalisieren praktisch Ausreden, um zu verhindern, dass Sie in einer anderen Form denken, reagieren oder agieren, als die, die Ihr limbisches System als erfolgreich und geeignet abgespeichert hat.

„Es existiert doch ein erfolgreiches Programm, warum denn etwas daran ändern?“ Kommt Ihnen bekannt vor? Sicher, solche oder so ähnliche Situationen erleben wir ja immer wieder.

Doch dies bedeutet, dass wir immer dann, wenn wir an die Grenzen unserer Komfortzone geraten, von unangenehmen, Stress auslösenden Gefühlen geplagt werden.

Der aktuelle Zeitgeist fordert von uns jedoch, ein möglichst glückliches Leben zu führen. Wer als erfolgreich gelten möchte, sollte also so viele Glücksgefühle und seelisch-emotionale Höhepunkte aneinanderreihen, wie möglich.

Ein Widerspruch? Nur scheinbar.

Denn zum einen ist es eine Frage der Einschätzung, wie Sie diese Gefühle empfinden und damit letztendlich mit ihnen umgehen. Sicher erleben Sie ein starkes Gefühl, sobald Sie etwas tun, wovor Sie sich fürchten oder das Sie bisher noch nie getan haben. Bedenken Sie jedoch, manche Menschen bezeichnen dieses Gefühl als Angst, während andere es Aufregung oder Vorfreude nennen.

Zum anderen werden Sie mit dieser neuen Erfahrung letztendlich Ihren Erfahrungsschatz und Ihre Komfortzone erweitern, was Ihnen, vor allem, nachdem Sie ein außergewöhnliches Erfolgserlebnis hatten, besonders angenehme Glücksgefühle bescheren wird. Das macht Extremsportarten oder auch Leistungssport für viele Menschen so attraktiv.

Sie durchfahren immer und immer wieder diese Achterbahn der Gefühle und wachsen dabei über sich hinaus. Ihre Komfortzone wird immer größer und während die ersten Wettkämpfe ihnen eine große Angst einflößen, empfinden sie das Gefühl vor einem Turnier im Laufe der Zeit als immer vertrauter und angenehmer.

Auch Sie können durch immer wieder kleine herausfordernde Schritte Ihre Komfortzone ständig erweitern.

Welche anstehenden Veränderungen machen Ihnen Angst? Was hat Ihnen geholfen die Ängste zu überwinden? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in den Kommentar.

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